Das Resümee, dass keines sein will

Zum Jahreswechsel ist es üblich, Resümee zu ziehen oder einen Ausblick auf das kommende Jahr zu schreiben. Eigentlich Grund genug dies nicht zu tun, nimmt man sich doch schließlich vor, es unbedingt besser – auf jeden Fall aber anders als alle anderen zu machen. Und dann kommt der Jahreswechsel und man sitzt da und denkt, was für ein Jahr, sollte ich da nicht vielleicht doch einige Gedanken zu Papier bringen. Wie dem auch sei, ich habe es getan, auch um den im frühjährlichen Lockdown noch unter dem Titel „Work in Isolation“ gestarteten Blog wieder zum Leben zu erwecken.

Zukünftig ist geplant, mehr oder weniger regelmäßig im „Der OrganisationsIrritierer-Blog“ aktuelle arbeits- und organisationskulturelle Themen zu reflektieren und damit zum Nachdenken anzuregen. Und vielleicht habt Ihr/Sie ja Lust, über das eine oder andere Thema mitzudiskutieren.   

Begann das Jahr mit der, zusammen mit meinem damaligen Partner Sven, neu gegründeten Firma noch vielversprechend – Pläne für Workshops unter dem Slogan Coffee to think, Vorträge beispielsweise auf der DeGut und erste vielversprechende Kundenkontakte – trübten sich die tollen Aussichten mit dem ersten Lockdown im März merklich ein. Mehr noch, je länger der Lockdown andauerte, desto größer wurden die Unsicherheit und die Zurückhaltung potentieller Kunden.

Gleichzeitig war und ist ein Begriff in aller Munde – Homeoffice. Jede und jeder dem es irgendwie möglich ist, arbeitet im Homeoffice. Erstaunlich daran finde ich, dass es bei fast allen ohne Schwierigkeiten zu klappen scheint. Probleme technischer Art – Internetausstattung ist nur in Schulen nicht möglich – in der Kommunikation oder bei den räumlichen Gegebenheiten werden so gut wie nicht thematisiert. Zwischenzeitlich war, befeuert durch die exogene Sondersituation, sogar ein Recht auf Homeoffice im Gespräch (https://www.zeit.de/arbeit/2020-11/recht-auf-homeoffice-hubertus-heil-union?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F). Derzeit wird ein 3-2-2-Modell (https://www.linkedin.com/news/story/aus-9-to-5-wird-3-2-2-4994324/) als die Variante der Zukunft diskutiert, wobei 3-2-2 drei Tage im Büro, zwei Tage remote Working und 2 Tage frei bedeutet. Warum müssen die zwei freien Tage eigentlich so ausdrücklich betont werden, weil´s besser klingt?

Naja sei´s drum, mir kommt es jedenfalls manchmal so vor als stünden häufig nur die Vorteile von Homeoffice im Fokus. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich finde zum Beispiel die Flexibilität die Homeoffice gerade für Familien schafft, die gesparte Pendelzeit und die Umweltaspekte ganz wunderbar. Nur weiß ich eben auch, dass Homeoffice nur dann ein dauerhafter Erfolg wird, wenn auch die anderen Seiten thematisiert werden.

Betrachtet man allein die räumlichen Gegebenheiten, wird schnell deutlich, dass nicht jeder über einen separaten Arbeitsplatz in seinen vier Wänden verfügt. Und wenn dann mehr als nur ein Haushaltsangehöriger von daheim seinem Tagwerk nachgeht, wird es schnell ganz schön eng. Und der heimische Küchentisch, der als solcher einstmals angeschafft wurde, ist eben kein Schreib- und/oder Konferenztisch, sondern bleibt ein Küchentisch. Kurzfristig oder in Sondersituationen ist es natürlich besser vom Küchentisch zu arbeiten als gar nicht, langfristig ist er aber keine Alternative.

Und dies nicht nur aus arbeitsmedizinischen Gründen, sondern auch aus arbeitspsychologischer Sicht, denn eine Trennung von Beruflichem und Privatem ist so nicht immer einfach.

Ich arbeite, auch weil ich mir eigene Büroräume nicht leisten möchte, seit einigen Jahren zu Hause und verfüge dort über ein separates Arbeitszimmer. Dennoch ist es, insbesondere in anspruchsvolleren Phasen schwer, von der Arbeit abzuschalten und sich abends nicht nochmals schnell an den Laptop zu setzen. Die Gefahr einer Entgrenzung der Arbeit mit entsprechenden psychischen Problemen wie einer Belastungsdepression ist damit vergleichsweise groß. Mit einer passenden Unternehmenskultur, entsprechenden Regeln und dementsprechend verantwortungsvollen Führungskräften lässt sich hier gegensteuern, nur müssen diese Komponenten erstmal gefunden werden. Hier kann think[AD]wise®  zum Bespiel mit seiner professionellen Provokation oder mit Führungskräftecoaching helfen.

Apropos Führungskräfte. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Führungskräfte die bis vor einem Jahr ihren Mitarbeitern eher nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ begegnet sind, nun Selbstorganisation für sich entdeckt haben und ihren Mitarbeitern uneingeschränkt ver- und die eigenverantwortliche Problemlösung zutrauen (https://www.unibw.de/home/news-rund-um-corona/homeoffice-chance-und-herausforderung ;  https://www.manager-magazin.de/harvard/management/homeoffice-chefs-sind-immer-noch-misstrauisch-a-00000000-0002-0001-0000-000172874350 ). Dabei ist Vertrauen die Grundvoraussetzung für gelingendes remote Working mit erfüllender und gesunder Arbeit. Für nachhaltig tragfähige Lösungen bietet die Arbeits- und Organisationspsychologie zahlreiche Ansatzpunkte bei deren Einführung wir von think[AD]wise® Sie gern unterstützen.

Abschließend möchte ich hier noch kurz auf die Kommunikation eingehen. Technische Tools wie Microsoft Teams, Zoom, GoogleMeet oder Slack etc. sind seit Beginn der Corona-Pandemie nahezu flächendeckend im Einsatz und ermöglichen synchronen und asynchronen Austausch über Distanzen. Nur dass technische Möglichkeiten Kommunikationsprobleme, die bereits in der offline Kommunikation bestanden, nicht einfach auslöschen. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass Kommunikationsprobleme bei virtueller Kommunikation dadurch verstärkt werden, dass auf Kommunikationskanäle verzichtet werden muss ( https://www.coaching-magazin.de/beruf-coach/grenzen-der-online-kommunikation ). Auch wenn die Kommunikation in online-Meetings auf den ersten Blick effizienter wird, werden auf den zweiten Blick private Gespräche in der Kaffeeküche, Treppenkommunikation und der spontane Austausch unter Kollegen zumindest erschwert. Dies ist kontraproduktiv für Teamgeist und bedeutet im schlimmsten Fall das Ende einzigartiger Unternehmenskultur und verhindert Innovation (https://www.capital.de/karriere/warum-sich-deutschland-homeoffice-gar-nicht-leisten-kann ). Für den einzelnen besteht zudem die Gefahr sozialer Vereinsamung, was zu Vergesslichkeit und sinkender Hirnleistung führen kann ( https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/expertenrat/wenzel/expertenrat-eike-wenzel-kontaktarmut-und-sinkende-hirnaktivitaet-das-homeoffice-ist-nicht-die-zukunft-der-arbeit/26649906.html?ticket=ST-21972044-qfqAqnOZDzgnbqabgqYd-ap2 ).  Alles keine wirklich erstrebenswerten Aussichten. Möglicher Ausweg sind netzwerkorientierte Konzepte der Zusammenarbeit bei deren Gestaltung think[AD]wise® gerne unterstützt. Nutzen wir die Chancen, die sich uns durch den von Corona ausgelösten Digitalisierungsschub bieten und gestalten die Zukunft durch intelligenten und nachhaltigen Wandel mit – think[AD]wise®.

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