Keep the Spirits up!

Im Mai ging die erste Pandemie bedingte Ausnahmesituation zu Ende und erste Lockerungen traten in Kraft. Nicht zu große Geschäfte, die die aus sicherheitshygienischen Gründen festgelegte magische Grenze von 800 m² nicht übersteigen, durften wieder öffnen und die Liste der systemrelevanten Berufe wurde deutlich, auf fast alle Berufe, ausgeweitet und die Menschen wurden, so zumindest in meinem Umfeld, freundlich in die Büros zurück zitiert.

Schluss mit dem Schlendrian am heimischen Küchentisch, zurück an die Arbeit!

Gleichzeitig forderte Arbeitsminister Hubertus Heil ein Recht auf Homeoffice für alle. Die Arbeitgeberverbände hielten postwendend dagegen und machten in der Homeoffice Frage betriebliche Belange zum Maß aller Dinge (tagesspiegel online-Ausgabe vom 26.04.2020; SZ online-Ausgabe vom 27.04.2020; online-Ausgabe der Zeit vom 27.04.2020). Mittlereiweile hat Hubertus Heil sein Vorhaben, einen Rechtsanspruch auf jährlich 24 Homeoffice-Tagen gesetzlich zu verankern, aufgegeben (14. November 2020, Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, als). Der Widerstand der Arbeitgeberseite war wohl dann doch zu massiv.

Ob wir tatsächlich ein Recht auf Homeoffice brauchen, können wir nicht beurteilen. Was wir aber ziemlich sicher beurteilen können ist, dass wir einen sachlichen Umgang mit dem Thema Heimarbeit und einen unvoreingenommen Blick auf jegliche neue Formen der Arbeit und Zusammenarbeit brauchen.

Seien wir doch mal ehrlich, das was wir in den letzten Monaten erlebt haben, hatte mit remote Arbeit – und nichts anderes ist Homeoffice ja eigentlich – nicht allzu viel zu tun. Zwar war gefühlt jede Büroheldin und jeder Büroheld im „Homeoffice“ – doch konzentrierte Arbeit war mit stets zuckersüßen Kindern und/oder Lebenspartnern, genervten Haustieren und sonstigen Mitbewohnern am flugs zum Konferenzschreibtisch umgewandelten heimischen Esstisch nicht wirklich möglich.

Zudem fehlten und fehlen in vielen Fällen noch immer die technischen Voraussetzungen, wie leistungsstarke Laptops, schnelle und stabile Internetverbindungen, sicherer Zugang zum Firmennetzwerk und ganz wichtig die zur Arbeit notwendige elektronische Datenbasis. Auch ganz profane Dinge, wie Firmentelefone und sichere Videochatmöglichkeiten sind mitnichten bei jedem Bürohelden in der täglichen Nutzung. Warum auch, geht´s doch normalerweise jeden Morgen um acht ins offline-Büro.

Bei all den schon technisch erforderlichen Investitionen, wird vielfach vergessen, dass auch die Mitarbeiter fit für remote working gemacht werden müssen. Basis für gelingendes remote working ist Vertrauen der Führungskräfte in die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und die Gewissheit der Mitarbeiter, dass ihnen vertraut wird. Fehlt es daran, wird remote working nicht erfolgreich gelingen und die Skepsis vieler Arbeitgeber sich bewahrheiten.

Aber hey, wollen wir all die für unglaublich gehaltenen Möglichkeiten der letzten Monate, die Veränderungsbereitschaft der Menschen, die Öffnung der Arbeitgeber, die Bereitschaft Arbeit mit Elan auch in den heimischen vier Wänden zu erledigen, einfach verpuffen lassen und zum normalen Betrieb zurückkehren?

Wir finden nicht und plädieren für – keep the spirits up!!! Nutzen wir die Chance und machen unsere Arbeitswelt ein bisschen ausbalancierter und vor allem fit für die Herausforderungen und Wünsche von heute und morgen.

Die Arbeits- und Organisationspsychologische Forschung hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit den Wirkungen, aber auch den Anforderungen an remote Arbeit auseinandergesetzt. Dabei geht es neben den Auswirkungen für jeden Einzelnen auch um passgenaue Kommunikations- und optimale Organisationsformen. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich für jede Organisation und jedes Organisationsmitglied genau die Formen digitaler und/oder remoter Arbeit finden, die den Bedürfnissen und Anforderungen aller Beteiligten entsprechen.

Vielleicht habt Ihr/Sie ja Lust, mit uns gemeinsam über remote Arbeit und die Anforderungen an diese zu diskutieren. Wir freuen uns auf Eure/Ihre Kommentare. Gern begleiten wir Euch/Sie auch mit konkreten Empfehlungen auf dem Wege in die „digitale“ Zukunft.

Der Beitrag erschien in leicht anderer Form erstmals im Mai 2020.

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